Berichte   ehemaliger TeilnehmerInnen

Ulrich U.
Ein Erfahrungsbericht · eMail 20.2.2007

Also, um eins vorwegzunehmen, ich bin froh, dass ich die medizinische Reha gemacht habe, es ging mir nicht immer gut dabei, aber ich habe eine Menge über mich herausgefunden, und für den einen oder anderen mag es der Anreiz sein, bei bestandener medizinischen Reha in die berufliche Reha übernommen zu werden.
Ich gebe zu, auch ich hatte das vorrangig als Ziel, wollte ich doch seit jahrelangem Abstand aus dem Berufsleben endlich einen neuen Versuch starten, wieder ins Berufsleben zu finden. Doch, wie sagt man so schön, erst kommt es anders, und zweitens als man denkt. Doch das sollte Sie nicht abschrecken, sich für diese Maßnahme zu entscheiden, das war in meinem spezifischen Fall so, muss bei Ihnen aber nicht so sein, das will ich hier noch einmal ausdrücklich betonen!

DER START
Ich hatte mich nach einem Klinikaufenthalt in einer Tagesstätte wieder gut stabilisiert, und entschied mich für die Reha-Dannenberg um, wie schon erwähnt, endlich ins Berufsleben zu finden. Bevor meine Maßnahme begann, be­suchte ich zunächst die Infoveranstaltung mit Frau M. Dort lernte ich auch schon erste Gesichter, wie z. B. Herrn D., Frau L. und Frau N. kennen, nicht zu vergessen Frau S.. Alsbald folgte ein Prognosegespräch, dass ist ein Gespräch, in dem der Psychiater der Ein­rich­tung Reha-Dannenberg darüber befindet, ob man zu einer Reha in der Lage ist ja - oder nein. Auch die Anamnese wird dort noch mal im Eilverfahren aufgenommen. Es folgte die Be­an­tragung der Kosten und dann ging es auch schon bald los. An meinem ersten Tag nahm mich meine Reha­beraterin Frau B. in Empfang. Nach den Auf­nahme­gesprächen bei Herrn Dr. W. (Psychiater der Einrichtung) und Herrn Dr. K. (Leiter und Dipl.-Psychologe und Psycho­therapeut) stolperte ich in meinen ersten Reha-Tag. Erst fiel es mir furchtbar schwer, an den Gesprächen der Mit­rehabilitanden anzuknüpfen, doch dank meiner Kontakt­freu­digkeit legte sich das schon bald.

DIE ARBEITSDIAGNOSTIK
Die erste Zeit verbrachte ich in der Arbeitsdiagnostik bei Frau N. (der damaligen Ergo- und Arbeitstherapeutin). Ich merkte schnell, dass hier, obwohl ich "nur" ein Früh­stücksbrettchen nach Anleitung fertigen musste, Ernsthaftigkeit in Bezug auf pünkt­liches Erscheinen, Sorgfalt, Sauberkeit am Arbeitsplatz, Sicherheit am Arbeitsplatz und vieles mehr gefragt waren. Es dauerte nicht lange, und ich hatte mein erstes Reflex­ions­gespräch, mit Frau B. und Frau N., ich hätte damals nicht gedacht, dass so ein Gespräch in dem "nur" meine Arbeitsleistungen und Planung von neuen Arbeitsanforderungen so intensiv sein kann.

DAS BÜRO
Schon bald war es mit meiner Zeit in der Arbeitsdiagnostik vorbei und ich fing an bei Frau L. (Anleiterin und Bürofachkraft im Arbeits­therapiebereich Büro). Zuerst bestand meine Tätigkeit aus dem Ausfüllen von Frage­bögen zum Testen des vorhandenen Wissens­stand, was Bürotätigkeit angeht, wie z. B. mathe­matische Fähigkeiten, Aus­ein­ander­setzen mit Nachschlagewerken, wie den Duden oder das Branchenbuch, aber auch Recht­schreibung und konzentrationsfördernde Auf­gaben hatte ich zu bewältigen. Später begann die eigentliche Büroarbeit, wie das Schreiben von Briefen, Dokumenten (der Übung halber), Frankieren von echter Ausgangspost, Drucken des Speiseplans des "Café Porc" (- der Essenssaal mit dem Arbeitstherapiebereich Küche, wo gemeinsam das Mittagessen ein­ge­nommen wird), Drucken des Sprech­stunde­vergabe-Zettels für die Sprechstunden bei Dr. W., Erstellen von "Begrüßungsmappen" für neue Rehabilitanten, wie auch ich eine bekommen hatte etc. Eine besondere Herausforderung stellte die alle zwei Tage statt findender Fahrt zum "Kirchen­kreis­amt" für mich dar, ein regelrechter "Boten­dienst", der von allen Büro-Rehabilitanden versehen wurde.

GARTEN
Dann wechselte ich in den Arbeits­therapie­bereich Garten, eigentliche sollte ich erst in die Küche, aber weil dort noch kein Platz frei war, fand ich mich im Garten bei Herrn D. (Anleiter und Gärtner im Arbeitstherapiebereich Garten) wieder. Zuerst war ich bei so gar nicht nach Garten anmutenden Tätigkeiten am Mitwirken, nämlich an der Erschaffung von "Material­buchten", in die heute Erde, Dünger oder Samen eingelagert werden. Das war richtige "Bau­stellen­arbeit". Wir mischten Beton an, mauerten, zogen Estrich, es war wirklich eine spannende Zeit, und als wir vor den fertigen Buchten standen waren wir stolz und zugleich traurig, dass diese Arbeit schon wieder geschafft war.
Dann setzte der Herbst ein, und ich machte mich als "Laub-Harker" nützlich. Ich hatte eine eigene Technik, mit der es mir schnell gelang, das Laub schnell zu harken und zügig auf die Schubkarre zu verladen. Besonders gut kann ich mich noch an die Arbeit mit dem "Laub­bläser" erinnern, ich hatte zunächst scheu vor diesem Gerät, hatte es zum Schluss dann aber richtig lieb gewonnen, auch das war eine Erfahrung die ich nicht missen möchte, denn schließlich habe ich in diesem Moment meine Angst vor diesem Gerät in Respekt umge­wandelt. Gegen Ende habe ich dann noch regelmäßig Kompost aufs Bett gebracht und wie schon vorher nach etlichen Reflexions­gesprächen (natürlich vorher auch im Bereich Büro) kam ich dann in den Arbeits­therapie­bereich Küche.

KÜCHE
Ja, das war eine spannende Zeit! Hatte ich anfangs nur "Zuarbeiten" gemacht, dauerte es nicht lange, und ich musste mein erstes Dessert zubereiten!

… KÜCHE
Mit viel Scheu und Unsicherheit ging ich dieser Aufgabe entgegen, doch Frau S. (Anleiterin und Hauswirtschafterin im Arbeitstherapiebereich Küche) stand mir mit Rat und Tat beiseite und schon bald gelang mir sogar das so gern von den Teilnehmern eingeforderte "Grieß­flammeri". Vielleicht werden Sie ja auch bald in dessen Genuss kommen! Doch neue Herausforderungen warteten auf mich, wie habe ich geschwitzt, als ich zum ersten Mal für 30 Mann kochen musste! Doch ich ließ mich nicht entmutigen, zwar habe ich es letztendlich nie ganz alleine geschafft, aber ich gewann dennoch eine gewisse Sicherheit. Nach dem der "große Abwasch" (kleine Abwäsche gab es immer wieder vor dem Mittagessen" geschafft war, stand noch der Speisesaal aus. Ich entwickelte dafür eine besondere Vorliebe, hatte ich doch auch da schnell mein eigenes System. Ja, es war wirklich eine schöne Zeit in der Küche gewesen.

DIE GRUPPEN
Regelmäßig fanden während meiner Maßnahme Gruppen statt. Zuerst die "offene Ge­sprächs­gruppe", welche mir besonders gut unter der Leitung von Herrn S. (während meiner Reha-Zeit gab es einen Ergo­therapeuten­wechsel) und Frau A. (eine damals neu eingestellte Psychologin) gefallen hat. Später gab es das GSK (Gruppentraining sozialer Kompetenzen) unter der Leitung von Herrn Dr. K. (Psychologe) und Frau M. (einer Rehaberaterin). Es gefiel mir zunächst sehr gut, doch dann kamen noch andere Gründe hinzu, so dass ich instabil wurde, und ein Klinikaufenthalt unvermeidlich war, aber nochmals das war bei mir so, es muss bei Ihnen nicht so sein, machen Sie sich das immer bewusst! Anfangs nahm ich noch an einer Krankheitsverabeitungsgruppe teil, die mir aber arg zusetzte, so fit wie ich geglaubt hatte, war ich dann schließlich doch nicht.

GESPRÄCHE MIT REHABERATER/IN
Anfangs dachte ich die Reha wird "lax", dass schaffst Du ganz "easy", doch irgendwann merkte ich, dass was ich in den ersten 2 Monaten Reha hinter mir hatte, war erst das "warm-up"! Erst danach ging es richtig zur Sache" Ich arbeitete viel mit meiner Reha­beraterin Frau B. zusammen. Sie machte sozio­therapeutische Ansätze, aber auch ansonsten war sie mir immer eine treu zur Seite stehende Seele. Wo ich Kritik verdient hatte bekam ich sie auch, aber sie hat mich immer fair behandelt, und wenn es brannte, konnte ich immer zu ihr gehen, wie auch zu Herrn Dr. K., dafür noch mal ein riesiges Dankeschön!

GESPRÄCHE MIT PSYCHOLOG/E/IN
Ich hatte mich entschieden psycho­thera­peu­tische Gespräche bei Herrn Dr. K. zu führen. Einmal in der Woche trafen wir uns zu einem festen Termin für jeweils eine halbe Stunde. Andere hatten eine Stunde bei ihm, doch wir stellten schnell fest, dass eine halbe Stunde ideal für mich war. Es war für mich immer eine sehr intensive halbe Stunde, die schneller verging als mir lieb war, die Themen schienen nicht auszugehen. Ich habe Herrn Dr. K. viel zu verdanken, vor allem erste Schritte in Richtung persönliche Eigenständigkeit bin ich mit ihm gegangen. Das ist heute für mich von un­schätz­barem Wert! Doch irgendwann begann, wie bereits erwähnt, es ja bei mir zu kriseln. Der Einsatz von Herrn Dr. K. in dieser Hinsicht war erstklassig, ja man kann wirklich sagen, dass in der Krisenintervention, die Reha-Dannenberg nichts anbrennen lässt. Danke!

GESPRÄCHE MIT DEM/DER PSYCHIATER/IN
Einmal in der Woche wurde ich bei Herrn Dr. W., später Herrn Dr. R., darauf Frau H. und zum Schluss noch eine andere sehr nette Psychiaterin vorstellig. Jetzt denken sie vielleicht so oft ein Wechsel innerhalb eines Jahres zeugt von Unbeständigkeit der Ein­richtung, aber mitnichten! Für die meisten Psychiater/innen war es einfach an der Zeit sich ein neues Aufgabengebiet zu erschließen, oder die Reha als wichtigen Erfahrungsschatz auf dem Weg ihrer Weiterqualifizierung zu begreifen. Ich habe alle Ärzte und Ärztinnen sehr geschätzt, doch vor allem erinnere ich mich an den Satz von Herrn Dr. W.: "Was kann ich für Sie tun?" Hier wurde mir zum ersten Mal bewusst, dass ein Umdenken in Sachen Psychiatrie­wesen statt­findet, der Patient bestimmt, nicht der Arzt, der Patient muss sein Anliegen formulieren, und darauf reagiert der Arzt, aber nicht umgekehrt! Ich war von den Socken, ich verließ die Sprech­stunde, weil ich darauf nicht vorbereitet gewesen war! Auch heute mache ich mir einen Zettel, wenn ich zu meiner Psychiaterin gehe, das war wirklich ein prägendes Erlebnis. Zu den Gesprächen verschrieben einem die Ärzte natürlich auch die Psycho­pharmaka die man brauchte und führten regelmäßig Blut­spiegel durch.

DIE MITREHABILANDEN
Ich muss sagen, dass das ganze knappe Jahr, welches ich in der Reha-Dannenberg verbracht habe, dass Miteinander unter uns Reha­bi­li­tanden ausgesprochen gut war. Wir trafen uns regelmäßig im Gartenhäuschen zum "Skat-Kloppen", verabredeten uns in den WG`s, gingen zusammen essen oder ins Kino oder verbrachten sonst irgendwie nett unsere Frei­zeit. Zu einigen damaligen Mit­reha­bilitanden habe ich noch heute Kontakt. Fördernd für dieses gute Klima waren selbst­verständlich auch die Ausflüge, die Frau N. und später Herr S., sowie Herr D. oder jemand anderes vom Mitarbeiterteam mit uns unter­nommen haben.

FAZIT
Es war richtig, dass ich mich damals für die Reha entschieden habe, zwar war ich zum Schluss nicht fit genug für die berufliche Reha, aber ich habe viel gelernt über andere und vor allem über mich. Reha ist harte Arbeit - aber es lohnt sich! PS: Danke für die vielen guten Gespräche im Gartenhäuschen Herr D.!

Günther W.
Brief · Dezember 2000

… Für mich persönlich die wichtigste Erfahrung ist sicherlich die, ich komme seit April völlig ohne Medikamente aus, der Doktor ist hochzufrieden - und ich auch. Ich merke immer deutlicher, der Kampf der letzten Jahre, er hat sich doch gelohnt. Es ist mir sicher unheimlich schwer gefallen einige Dinge so zu akzeptieren, wie die Realität nun einmal ist. Es gibt immer Hilfe - ich muss aber auch bereit sein diese anzunehmen.

Ich schaffe es nicht mehr auf dem 1. Arbeitsmarkt, bin deshalb kein 'Schrott' sondern kann in der Werkstatt im Rahmen meiner Möglichkeiten vieles in die Gruppe einbringen. Viele intensive Gespräche, mit 'Kollegen', Mitarbeitern der Minerva, dem SpDi und im Kreis guter Freunde, helfen vieles zu verarbeiten, das so im Laufe der Zeit passiert. Vor allen Dingen habe ich gelernt das Wort 'Nein' zu benutzen - ich helfe immer noch gerne, denke aber zu allererst an mich. Ich brauche einfach viel Zeit für mich zur Regeneration, das weiß ich - und halte mich daran.

Es gibt zwar immer wieder Phasen voller Selbstzweifel und dunkler Gedanken bis hin zu 'es ist doch alles so sinnlos', aber mit mir manchmal selbst unbegreiflicher Willensstärke, und dem Leitspruch: 'Günter, es glauben so viele Menschen an Dich, Du kannst nicht einfach aufgeben - kämpfe', habe ich jede Krise gemeistert.

Wenn ich heute auf die letzten 2 Jahre zurückblicke, muss ich sagen, die 4-Phasen Reha war für mich ein voller Erfolg …

Matthias M.
Help' Radio ZUSA · Sendung 20.7.2000

ZUSA: Wie haben Sie eigentlich die Zeit der Reha empfunden und was hat Sie Ihnen gebracht?

Herr M.: Die Reha passte genau in meine Lebenssituation. Ich war mir selbst im Klaren, das meine Arbeitsituation nur verbessert werden kann, wenn ich begleitend meine gesundheitliche und seelische Situation verbessern konnte. Die massive Unterstützung durch Arzt, Psychologen und Sozialarbeiter hat mir geholfen aus der Drehtür 'Klinik' herauszukommen.

Die Zeit in der Reha war für mich ein weiterer Schritt zu einem normalen Leben. Ich habe die Zeit bei der RPK als gute Zeit empfunden und habe mehr Selbstvertrauen aufgebaut. Anfangs hatte ich doch Ängste, die RPK-Zeit zu meinem Lebenslauf oder für meinen Lebenslauf negativ sein würde. Doch bei Vorstellungsgesprächen erkläre ich meine Situation und es wird angenommen.

Zusa: Wie ging es denn eigentlich nach der Reha weiter? Denn Sie stecken ja jetzt voll im Beruf drin.

Herr M.: Nach der Reha bin ich also erst einmal als voll arbeitsfähig für den ersten Arbeitsmarkt in die Arbeitslosigkeit entlassen worden. Ich hab mich dann sehr bemüht eine neue Arbeitsstelle zu finden …